Weshalb „Social First“ eine wirksame B2B-Marketing-Ausrichtung ist

1.4.2025

Eine Studie des IPSOS-Instituts hat gezeigt, dass 79 % der US-amerikanischen Marketer ihre Investitionen in Organic Social Media – also die Erstellung von kostenlosen Inhalten für ihre Community – in den letzten drei Jahren erhöht haben. Bemerkenswert ist, dass sie angeben, durch diese Investitionen ihre Marketingkosten um bis zu 50 % senken zu können.

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Dieser Artikel wurde verfasst von:

Kai Wermer

Warum ist Social First auch für den B2B-Bereich relevant?

Viele B2B-Unternehmen gehen davon aus, dass ihre Zielgruppen sie bereits gut kennen. Doch das ist oft ein Trugschluss: Jüngere Fachkräfte, internationale Mitarbeiter, die in Deutschland Verantwortung übernehmen, oder neue Entscheidungsträger, die durch Transformationen in Unternehmen einsteigen, verfügen oft nicht über bestehende Netzwerke oder Markterfahrung. Hier bietet Social Media eine wichtige Chance.

Guter, relevanter und einzigartiger Content schafft nicht nur Mehrwert für Ihre Zielgruppe, sondern bietet auch eine echte Möglichkeit, mit ihr in den Dialog zu treten. "Social-first"-Marketer berichten, dass sie durch Organic Social Media bis zu 50 % an Kosten sparen und gleichzeitig eine bessere Lead-Qualifikation erreichen können. Darüber hinaus ermöglicht eine enge Verzahnung mit anderen Kanälen – wie der Website, Plattformen oder Kampagnen – erhebliche Synergien.

Schnellere Tests und bessere Ergebnisse

Ein weiterer Vorteil von Organic Social Media ist die Möglichkeit, Content effizient zu testen. Neue Inhalte können schnell und kostengünstig evaluiert werden, um zu sehen, wie sie bei der Zielgruppe ankommen. Diese Erkenntnisse lassen sich dann gezielt für bezahlte Kampagnen nutzen. Besonders in Zeiten, in denen aufwändige, tiefgehende Inhalte immer stärker nachgefragt werden, zahlt sich dieser Ansatz aus. Der Return on Investment (ROI) im Marketing-Mix kann so besser optimiert werden da „Deep-Contents“ länger verwertbar sind als tägliche Posts.

Organic Social Media im Lead- und Sales-Funnel

Organic Social Media ist vielseitig einsetzbar und liefert in fast jeder Phase des Lead- und Sales-Funnels überzeugende Ergebnisse. Über 80 % der Marketingleiter berichten, dass organische Inhalte besonders in den oberen und mittleren Funnel-Phasen gut funktionieren. Selbst in den unteren Funnel-Bereichen erzielen sie noch in 47 % der Fälle messbare Erfolge.

Branchendiskurs als strategisches Werkzeug im B2B-Marketing

Ein aktiver Branchendiskurs ist weit mehr als nur ein Austausch zwischen Unternehmen und ihrer Zielgruppe – er ist ein entscheidender Hebel für Sichtbarkeit, Vertrauen und Thought Leadership. Plattformen wie LinkedIn, Fachforen oder sogar X (ehem. Twitter) bieten Unternehmen die Möglichkeit, sich gezielt in relevante Diskussionen einzubringen, Meinungsführerschaft aufzubauen und Trends frühzeitig zu erkennen. Erfolgreiche B2B-Marken nutzen diese Kanäle nicht nur zur Verbreitung eigener Inhalte, sondern auch zur Interaktion mit anderen Expert:innen und Entscheidungstragenden. Besonders Corporate Influencer:innen, also Mitarbeitende, die als Fachautoritäten auftreten, spielen eine Schlüsselrolle: Sie verleihen der Marke Authentizität und stärken ihre Position als Branchenführer. Unternehmen wie SAP zeigen, wie durch die Veröffentlichung fundierter Whitepapers und Reports zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit und KI eine nachhaltige Reputation als Thought Leader aufgebaut werden kann. Entscheidend ist dabei die Kombination aus hochwertigen Inhalten und strategischer Interaktion – nur wer sich aktiv an Fachgesprächen beteiligt, bleibt langfristig relevant.

Die Herausforderung: Überzeugungsarbeit im Führungsteam

Viele Marketingverantwortliche möchten gezielter in Organic Social Media investieren – stoßen dabei aber nicht selten auf Zurückhaltung oder Skepsis im eigenen Führungsteam. Oft fehlt es weniger an Budget als an Verständnis. Während sich Social-First-Kanäle als leistungsstark und ROI-effizient erweisen, genießen klassische Formate wie Fachartikel oder Messeauftritte bei vielen Entscheider:innen nach wie vor ein höheres Ansehen. Ein Grund: Die persönliche Mediennutzung vieler Führungskräfte spielt eine entscheidende Rolle. Wer selbst wenig auf Plattformen wie LinkedIn oder X unterwegs ist, dem fehlt häufig das intuitive Gespür für Relevanz und Wirkung sozialer Inhalte.

Hier setzt eine der wichtigsten wissenschaftlich begleiteten Untersuchungen im DACH-Raum an: Die Langzeitstudie „Social Media in der B2B-Kommunikation“ von Althaller Communication zeigt seit 14 Jahren kontinuierlich auf, wie sich Social Media in der B2B-Kommunikation etabliert – und welchen Einfluss der Führungsstil auf die Nutzung nimmt. Besonders spannend: Unternehmen mit einem partizipativen, offenen Führungsstil integrieren Social Media deutlich aktiver und strategischer in ihre Kommunikationsarbeit. Der Rückschluss ist klar: Je mehr Führungskräfte bereit sind, sich auf digitale Dialogformate einzulassen, desto erfolgreicher gelingt es Unternehmen, ihre Sichtbarkeit, Reputation und Innovationskraft im Markt zu stärken.

Wer intern Überzeugungsarbeit leisten will, kann genau hier ansetzen – mit belastbaren Zahlen, mit Benchmarks aus der Langzeitstudie und vor allem mit dem Hinweis, dass der nachhaltige Erfolg von Social Media keine Frage von Plattformtrends, sondern von Haltung und Kultur ist. Social-First beginnt nicht nur im Marketing, sondern im Mindset der Führung.

Fazit: Investieren Sie in Ihre Reichweite

Organic Social Media bietet B2B-Unternehmen nicht nur die Möglichkeit, Kosten zu sparen, sondern auch, neue Zielgruppen zu erschließen, die langfristig zu wertvollen Partnern werden können.

„In einem zunehmend digitalen Marktplatz ist die erfolgreiche Integration von Social Media in B2B-Strategien nicht nur vorteilhaft – sie ist unerlässlich. Unternehmen, die Social Media effektiv nutzen, können tiefere Beziehungen aufbauen, das Kundenengagement verbessern und signifikante Verkaufsumwandlungen erzielen. Die DACH-Region, mit ihrer robusten technologischen Infrastruktur und innovationsgetriebenen Wirtschaft, bietet einzigartige Chancen für Unternehmen, diese Tools zu nutzen.“

Quelle: „Digital Media as a Game-Changer in B2B Buyer-Vendor Relationships“, Journal of Sustainable Business and Economics (2022) Krings et al. (2022)

Quelle: https://journals.bilpubgroup.com/index.php/jsbe/article/view/5559

Mit der richtigen Strategie können Sie Ihre Markenbekanntheit steigern, bessere Leads generieren und Ihre Marketingbudgets effektiver nutzen. Organic Social ist auch für den B2B Bereich nützlich. 

Praxis-Tipps für erfolgreiches Organic Social im B2B-Bereich

1. Community statt bloße Follower – Relevanz vor Reichweite

  • Followerqualität analysieren: Viele B2B-Profile haben hohe Followerzahlen, aber oft mit einem Überhang an internen Mitarbeitenden, Wettbewerbern oder Job-Suchenden. Das kann von den eigentlichen Marketingzielen ablenken.
  • Lösung: Social Listening & Analytics nutzen (z. B. LinkedIn Page Analytics, Brandwatch), um die Zusammensetzung der Follower zu verstehen. Falls die Zielgruppe nicht ideal ist, gezielt mit Branchenakteuren, potenziellen Kunden und Entscheidern in den Dialog treten.
  • Gezielte Interaktion mit relevanten Accounts: Statt sich nur auf die eigenen Inhalte zu fokussieren, aktiv in relevanten Gruppen, Foren oder Kommentarspalten von Thought Leadern mitdiskutieren.
  • Best Practice: Führungskräfte und Fachexperten als Corporate Influencer einsetzen, die strategisch in LinkedIn-Gruppen, Fachforen oder Twitter/X-Diskussionen präsent sind und dort wertvolle Beiträge leisten.

2. Thought Leadership durch relevante, kuratierte Inhalte

  • Hochwertige Inhalte mit Mehrwert veröffentlichen: Whitepapers, Reports und wissenschaftlich fundierte Inhalte sind eine exzellente Grundlage für Thought Leadership.
  • Lösung: Diese Inhalte nicht nur als statische PDFs auf die Website packen, sondern in Snackable Content für Social Media umwandeln. Beispiele sind Karussell-Posts mit Key Insights, Video-Teaser mit Expertenstatements oder interaktive LinkedIn-Umfragen.
  • B2B-Storytelling nutzen: Zahlen und Fakten allein reichen nicht. Narrative Ansätze wirken auch im B2B-Bereich, zum Beispiel Erfolgsgeschichten von Kunden oder Einblicke aus F&E-Abteilungen.
  • Trend 2024: Mitarbeitende als authentische Markenbotschafter einbinden (Employee-Generated Content). Persönliche LinkedIn-Posts von Fachleuten performen oft besser als reine Unternehmenskommunikation.

3. Plattformgerecht denken: B2B muss nicht trocken sein

  • LinkedIn als primäre Plattform, aber nicht exklusiv nutzen
    • LinkedIn für Fachartikel, Whitepapers & Thought Leadership
    • Instagram & TikTok für Employer Branding & Recruiting (zum Beispiel mit Behind-the-Scenes oder CEO-Insights)
    • YouTube & Podcasts für Deep Dives in komplexe Themen
  • Best Practice: Siemens nutzt LinkedIn für B2B-Fachthemen, während sie auf Instagram eher junge Talente ansprechen.
  • Aktuelle Formate nutzen
    • Micro-Content statt lange Posts: LinkedIn-Newsletter oder Kurzvideos mit Insights
    • Carousel-Posts mit Quick Wins: Studienergebnisse in wenigen Slides aufbereiten
    • Live-Diskussionen & AMAs (Ask Me Anything) auf LinkedIn oder Twitter/X für Q&A-Sessions

4. Community-Management als aktiven Dialog verstehen

  • Keine Einbahnstraßen-Kommunikation: Nur Inhalte posten reicht nicht – echte Interaktion zählt.
  • Lösung: Gezielte Reaktion auf Kommentare und Fragen, nicht nur unter eigenen Posts, sondern auch aktiv in Diskussionsgruppen.
  • User-Generated Content fördern: Kunden und Partner ermutigen, ihre eigenen Erfahrungen zu teilen.
  • Best Practice: Unternehmen wie HubSpot oder Salesforce haben starke Communities, weil sie nicht nur senden, sondern Nutzer aktiv einbinden, zum Beispiel mit Challenges oder Co-Creation-Formaten.

5. B2B-Influencer & Corporate Influencer strategisch einsetzen

  • Fachexperten und Thought Leader gezielt aufbauen: Führungskräfte und Spezialisten innerhalb des Unternehmens sollten regelmäßig posten und sich aktiv in Branchendiskussionen einbringen.
  • Lösung: Trainings für Mitarbeitende anbieten, um sie in LinkedIn-Strategien einzuweisen. Dabei geht es darum, wie sie ihre Expertise authentisch teilen können, ohne nach Werbung zu klingen.
  • Externe Branchen-Influencer einbinden: Kooperationen mit bekannten LinkedIn-Vordenkern oder Podcast-Hosts können die Reichweite vergrößern.
  • Beispiel: SAP arbeitet mit Analysten wie Gartner zusammen und nutzt deren Reichweite für Content-Strategien.